So ist Paris; Das Erste
Ein Tänzer, eine Sozialarbeiterin, ein Gemüsehändler, ein
Model und ein illegal eingewanderter Kameruner: Sie alle begegnen sich in
dieser Stadt, in diesem Film. Jeder hat eigene Nöte und Probleme, ob
gesundheitliche, finanzielle oder amouröse. Und alle erleben sie die Stadt
dabei auf ihre Weise. So ist Paris für jeden anders: aufregend oder banal und
manchmal kaum zu ertragen. Alle Blickwinkel zusammen verschmelzen zu einem
amüsanten und traurigen Potpourri aus Bildern, Eindrücken und Gefühlen. Und
über allem strahlt der nächtliche Eiffelturm, der in dieser Liebeserklärung an
die Metropole mit den Sternen um die Wette funkelt.
Mit seinen „Short Cuts“ von der Seine gelingt Frankreichs
Erfolgsregisseur Cédric Klapisch eine starke Mischung aus amüsanten und
nachdenklich stimmenden Szenen. Zum Starensemble dieses Stadtfilms zählen
Romain Duris, Juliette Binoche, Fabrice Luchini und Albert Dupontel. Das Erste
setzt mit „So ist Paris“ seine Reihe „Neues französisches Kino“ fort.
*
Seit die Bilder laufen lernten, zählt Paris zu den
privilegierten filmischen Schauplätzen. Ob als „Hauptstadt der Liebe“, Kulisse
für einen „eiskalten Engel“ oder den „letzten Tango“: Diese Metropole erzeugt
im Film immer eine ganz spezielle Atmosphäre. Brücken, Plätze, Hinterhöfe und
natürlich die Métro tragen zu einer ganz eigenen Stimmung bei, die Paris-Filmen
wie „Die fabelhafte Welt der Amélie“, „Diva“ oder „Subway“ ihr
unverwechselbares Flair verleiht. Erfolgsregisseur Cédric Klapisch hat diesen
Werken eine ganz persönliche Liebeserklärung hinzugefügt. Sein Stadtporträt
zitiert einschlägige Klischees und unterläuft sie im selben Atemzug.
Entsprechend spielt „So ist Paris“ auf dem Eiffelturm und in den Katakomben, im
Penthouse und auf dem Sozialamt, auf Märkten und Modenschauen, in der Sorbonne
und im Straßencafé. Das erzählerische Band bei all den Schauplätzen knüpft
Klapisch um den jungen Revuetänzer Pierre, gespielt von seinem
Lieblingsdarsteller Romain Duris. Pierre erfährt, dass ihm wegen einer schweren
Herzkrankheit nur eine geringe Überlebenschance bleibt. Der traurige Blick, mit
dem er sich von seiner Stadt verabschiedet, liefert zugleich die filmische
Perspektive, aus der die episodenhaft geschilderten Nöte der anderen zu
hoffnungsvollen Lebenszeichen werden: Pierres Schwester Elise (Juliette
Binoche), eine alleinerziehende Sachbearbeiterin auf dem Sozialamt, ist
zerrissen zwischen ihren Mutterpflichten und der Verwaltung des tagtäglichen
Elends. Eine andere Vignette skizziert das Schicksal des Geschichtsprofessors
Roland (Fabrice Luchini), der nach dem Tod seines Vaters aus dem Gleichgewicht
gerät und seiner attraktiven Studentin Laetitia (Mélanie Laurent) anonyme
SMS-Liebesbotschaften im Stile Baudelaires schickt. Währenddessen findet in den
gigantischen Markthallen von Rungis beinahe Surreales statt: Ein paar Damen vom
Modezirkus verirren sich hierher und stöckeln plötzlich in mondänen Pelzmänteln
zwischen endlosen Reihen von Frischfleisch umher. Und auch Markthändler sind
nur Menschen.
Mit verblüffender Leichtigkeit verbindet Cédric Klapisch die
Szenarien dieses Stadttheaters, in dem das Banale auf das Erhabene und das
Tragische auf das Lächerliche stößt, ganz beiläufig durch sehnsuchtsvolle
Blicke oder zufällige Begegnungen. Sein Film erhält sich etwas Skizzenartiges,
das ihn vor dem Moralisieren bewahrt. Nach dem internationalen Erfolg von „L’auberge
espagnole - Barcelona für ein Jahr“ erweist sich dieses episodische Melodram
erneut als ein großer Wurf des Regisseurs, ähnlich charmant und doch ganz
anders. Schließlich lässt er uns mit Juliette Binoche tanzen.
Den nächsten Film aus der Reihe „Neues französisches Kino“
zeigt Das Erste am 25. Juli: In „Endlich Witwe“ spielt Michèle Laroque eine
Frau, die sich nach dem überraschenden Tod ihres ungeliebten Gatten endlich
ungestört ihrem Liebhaber widmen möchte. Doch da kommt ihr die Familie in die
Quere, die der Hinterbliebenen in ihrer Trauer nicht von der Seite weicht.
|
|
|