Das Freie Frankreich; ARTE
In der Dokumentation berichten vier ehemalige Mitglieder der
Résistance über ihre Erfahrungen nach Charles de Gaulles berühmter BBC-Rede aus
dem Londoner Exil, dem „Aufruf vom 18. Juni 1940“.
Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag von General
Charles de Gaulles Londoner „Aufruf vom 18. Juni“ widmet sich die Sendung
diesem wichtigen historischen Ereignis und seinen Folgen. Die Grundlage bilden
jüngste historische Forschungen über die gaullistische Widerstandsbewegung
France Libre.
Ende März 2010 trafen sich vier wichtige Zeitzeugen zu einem
Diskussionsforum, das unter der Schirmherrschaft der von Régis Debray
herausgegebenen Zeitschrift „Médium“ in Paris veranstaltet wurde. Sie stehen
für vier verschiedene Aspekte der gaullistischen Résistance:
In einem ersten Abschnitt geht die Dokumentation auf das
Leben der vier Männer zum Zeitpunkt des Aufrufs vom 18. Juni 1940 ein, weiter
auf die Beziehung zu de Gaulle sowie die Spaltungen innerhalb des „Freien
Frankreichs“. Drittens wird das Verhältnis zwischen den im Inland und den im
Ausland operierenden Résistancegruppen beleuchtet. Im vierten und letzten
Kapitel geht es schließlich um die Shoah und die Frage, über welche Informationen
die vier Widerstandskämpfer verfügten und wie sie die schreckliche Situation
damals und heute beurteilen.
Hintergrundinformationen: Stéphane Hessel - Spionage, Nachrichtendienst
Stéphane Hessel wurde am 20. Oktober 1917 in Berlin als Sohn
des Schriftstellers Franz Hessel und der Journalistin Helen Grund geboren. 1924
zog seine Familie nach Paris; 1939 wurde Hessel französischer Staatsbürger und
zum Kriegsdienst eingezogen. Nach dem Waffenstillstand bemühte er sich um
Anschluss an die am 25. Juni 1940 von de Gaulle in London gegründete Bewegung
France Libre, zu der er jedoch erst 1941 vorstieß. Nach einer Fliegerausbildung
trat er dem Nachrichtendienst der gaullistischen Widerstandsbewegung BCRA
(Bureau Central de Renseignements et d’Action) bei.
Er leitete unter anderem die Mission Greco, eine
Radioberichterstattung für ganz Frankreich über die Landung der Alliierten.
Nach seiner Verhaftung im Juli 1944 wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald
deportiert.
Nach Kriegsende wurde er Vertreter Frankreichs bei den
Vereinten Nationen in New York und war 1948 Mitverfasser der
UNO-Menschenrechtserklärung. 1981 verlieh ihm der französische Staat den Titel „Ambassadeur
de France“.
Jean-Louis Crémieux-Brilhac - Innenministerium der
Untergrund-Regierung der France Libre (Commissariat Intérieur de la France
Libre)
Jean-Louis Crémieux-Brilhac wurde am 22. Januar 1917 in
einer jüdischen Familie geboren. Während des Zweiten Weltkriegs geriet er in
deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er am 4. Januar 1941 in die UdSSR floh.
Dort wurde er als verdächtiger Ausländer interniert. Nach dem Überfall der
deutschen Truppen auf die Sowjetunion verbündete sich das Land mit dem Freien
Frankreich, wodurch sich Crémieux-Brilhac endlich nach London absetzen konnte.
Im September 1941 trat er den FFL (Forces Françaises Libres)
bei. Er wurde Sekretär des Propagandaausschusses (Comité exécutif de
propagande) und Leiter des illegalen Rundfunkdienstes des Freien Frankreich. In
dieser Eigenschaft hielt er als Mitgestalter der Sendungen für die von den
Nazis besetzten Länder Westeuropas mehrere Ansprachen in „Radio London“.
Im Ruhestand veröffentlichte Crémieux-Brilhac mehrere
äußerst gut belegte historische Werke über den Krieg, speziell über den
gaullistischen Widerstand.
Yves Guéna - militärische Aktion, FFL-Soldat
Yves Guéna wurde am 6. Juli 1922 in Brest geboren. Er war
ein Gaullist der ersten Stunde: Einen Tag nach dem Aufruf vom 18. Juni machte
er sich nach London auf. An Bord eines Marineschleppers fuhr er nach Ouessant
und in der Nacht vom 19. zum 20. Juni schiffte er sich auf einem Fischdampfer
Richtung England ein.
Am 1. Juli trat er den FFL bei und gehörte zu den tausend
Freiwilligen, die General de Gaulle am 6. Juli in der Olympia Hall in London
traf. Dann kämpfte Guéna in Libyen, Tunesien, der Normandie, dem Elsass und in
Deutschland, zuletzt in Berchtesgaden.
Nach dem Krieg erhielt er zahlreiche Auszeichnungen für
seinen Kampf in der Résistance und begann eine politische Karriere im
gaullistischen Lager.
Daniel Cordier - Sekretär von Jean Moulin
Daniel Cordier wurde am 10. August 1920 in Bordeaux in einer
royalistischen und antisemitischen Familie geboren. Empört über Pétains
Waffenstillstandsangebot vom 17. Juni schiffte er sich in Bayonne zur Überfahrt
nach Nordafrika ein. Aber das Schiff fuhr letztendlich nach England. Am 25.
Juni 1940 kam Cordier in London an. Sofort verpflichtete er sich bei den ersten
FFL. Nach zwei Jahren militärischen Trainings beim Nachrichtendienst des Freien
Frankreich (BCRA) sprang er am 26. Juli 1942 mit dem Fallschirm über Montluçon
ab.
Er ging nach Lyon, wo er Jean Moulins Sekretär wurde. An
Moulins Seite beteiligte er sich an der Vereinigung des innerfranzösischen
Widerstandes im Nationalrat der Résistance (Conseil National de la Résistance),
der Dachorganisation für die verstreuten, oft politisch zerstrittenen
Résistancegruppierungen und -strömungen.
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