Schätze der Welt - Erbe der Menschheit; SWR
Pionierleistungen der Technik
Der Canal du Midi ist eine technische Meisterleistung eines
Einzelnen, eines von der Idee Besessenen, von Pierre Paul Riquet. Er fand die Lösung, wie ein Kanal, der zwischen dem
Mittelmeer und Toulouse 190 Höhenmeter überwinden muss, ständig mit Wasser
versorgt werden kann. Er plante ein riesiges Staubecken am höchsten Kanalpunkt,
in dem die Wasser der Montagne Noir gesammelt wurden. Ein genau berechnetes
System von Zuflüssen garantiert, dass der Kanal immer schiffbar ist. Riquet
legte auf seinen Wanderungen durch Südfrankreich den Verlauf des Kanals fest,
konstruierte Kanalbrücken, um die Flussniederungen auf einer „Wasserbrücke“
überfahren zu können, erfand Rundschleusen, die eine größere Manövrierfreiheit
für die Boote gewähren, und er plante die Stadt Sete, den Mittelmeerhafen des
Canal du Midi. Seit 1995 ist der Canal du Midi als Weltkulturerbe von der
UNESCO anerkannt.
Ein anderer Pionier war der Österreicher Karl Ritter von
Ghega. Er hatte die Vision einer Eisenbahn über die Alpen. An alles hatten Karl
Ritter von Ghega, der Planungschef der österreichischen Staatsbahn, und seine
Mitarbeiter gedacht, als die Semmeringbahn am 18. April 1854 feierlich von
Kaiser Franz Josef eröffnet wurde. Nur an eines nicht: Der Schornstein der
Lokomotive war für die Gloggnitzer Bahnhofshalle zu hoch. Bei der Einfahrt
krachte er herunter und hüllte die feine österreichische Gesellschaft in Rauch
und Ruß. Der Kaiser aber behielt die Nerven und Karl Ritter von Ghega durfte
triumphieren. Die erste Hochgebirgsbahn der Welt konnte ihren Betrieb
aufnehmen.
1998 wurde die Semmeringbahn und damit diese tollkühne
technische Meisterleistung von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt.
|