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Der Mythos Provence lebt von Gegensätzen. Nach unbeschreiblichem Luxus an der Küste trifft der Reisende nur wenige Kilometer entfernt auf verschlafene Dörfer in fast menschenleeren Landschaften. Hier erstrahlt der Himmel in voller Klarheit, duftet der Lavendel stärker, verläuft das Leben geruhsamer. Die Landschaft breitet sich wie ein Flickenteppich zu Füßen der Berge von Vaucluse, Luberon und Seealpen aus: Obst- und Gemüsefelder, Wein, Oliven- und Mandelbäume. Dazwischen immer wieder mächtige Hecken von Zypressen und Platanen, zum Schutz vor dem Mistral. Und vollständig durchzogen von Rhône und Durance mit all ihren Bewässerungssystemen. Ganz oben, auf den ausgelaugten Kalkfelsen, wachsen nur noch Steineichen und jede Menge Gestrüpp. Auf einem Ausläufer der Bergkette thront ein Dorf, von weitem sieht es wie eine einzige, große Festung aus.
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Hier einen Tag zu gestalten fällt schwer, so groß ist das Angebot: vielleicht zum Einkaufen nach Aix, auf den Wochenmarkt von Apt, zum landesbesten Bäcker Auzet nach Cavaillon, ein Besuch in der Ölmühle in Mausanne, auf Stippvisite bei den Römern in Arles, zu den Boulespielern im Jardin de la Fontaine in Nîmes, durch die Ockersteinbrüche von Roussillon klettern, eine köstliche Bouillabaisse am alten Hafen von Marseille schlemmen, oder einfach nur in aller Ruhe auf irgendeinem Dorfplatz einen kühlen Pastis unter schattigen Platanen genießen. C’est bon, la vie!
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Reisetipp: Auf den Spuren von Cézanne
Die Stadt Aix-en-Provence hat ein berühmtes Aushängeschild zu bieten: Paul Cézanne, die Leitfigur des Impressionismus. 1839 wurde dieser wichtigste Maler des 20. Jahrhunderts hier geboren. Und nach vielen anderen Stationen kam er in seine Heimatstadt zurück. Im Gegensatz zu anderen berühmten Malern blieb Cézanne zu Lebzeiten der Erfolg verwehrt. Heute dagegen erzielen seine Werke Millionen. Ein eindrucksvoller Rundweg "Auf den Spuren von Cézanne" führt zu den Orten und Plätzen in Aix, die das Leben des Malers prägten. Zum Aufakt empfiehlt sich eine Führung durch das Musée Granet, wo sich der junge Künstler in der städtischen Zeichenschule sein Können erarbeitet hat. Ein weitere Spur Cézannes führt ins "Café des Deux Garcons". Viele Stunden hat er hier verbracht. Nicht nur Skizzen fertigte er dabei an. Er schrieb auch Briefe, etwa an seinen Sohn kurz vor seinem Tod 1906. Das 1792 gegründete Café gehört heute zu den vornehmsten und beliebtesten Treffs. Besonders die weite, von Platanen beschattete Terrasse vermittelt noch den Eindruck mondäner, beschaulicher Tage.
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Wissenswertes : Santons — die Provence en Miniature
Weihnachtskrippen haben in der Provence eine lange Tradition. Einst nur mit stoffbekleideten Figuren in den Kirchen, fanden Krippen zur Zeit der Revolution auch in den Häusern Einzug. Allerdings mit, damals preiswerteren, bemalten Tonfiguren. Der Name Santon kommt vom provenzalischen Wort "santoùn", was "kleiner Heiliger" bedeutet, wobei die meisten Figuren heute mehr das Leben in der Provence mit Bäcker, Koch, Müller und Gendarme darstellen, als klassische Figuren der Weihnachtsgeschichte. In Aix-en-Provence gibt es sehenswerte Ateliers und unweit von Arles die einzigartige Ausstellung "Petite Provence du Paradou".
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Lavendel-Exkurs
Provence und Lavendel gehören zusammen. Bereits im Mittelalter pflanzten Mönche Lavendel in den Klostergärten und nutzten sie wegen ihrer Heilkraft: "vier Tropfen Lavendelessenz in einem Löffel Wein lassen Migräne verschwinden und kräftigen den Magen!" Der endgültige Durchbruch der Pflanze kam mit der Parfumindustrie, die den Lavendelanbau im großen Stil forcierte. Aus 100 kg Lavendelblüten werden 1-2 kg Essenz gewonnen. Heute wird Lavendel nicht mehr nur äußerlich angewandt: als Bonbons und Gelee, in der Crème brûlée oder auch als Eis mundet Lavendel sehr.
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Rezept: Ratatouille
Ratatouille ist eine Spezialität der provenzalischen Küche, der man spanische und italienische Einflüsse deutlich anmerkt.
Für einen großen Topf Ratatouille 2 kg reife Tomaten mit kochend heissem Wasser abspülen, schälen, entkernen und würfeln. In einem Schmortopf in 5 EL Olivenöl, mit Thymian, Lorbeerblatt, einem Strauß Petersilie und einer zerdrückten Knoblauchzehe zu einem Püree mit einer Prise Zucker langsam einkochen. 800 g Auberginen schälen und in Würfeln mit Salz schwitzen lassen. 400 g Paprikaschoten entkernen und in Olivenöl die Außenseite anbraten, dann abkühlen lassen und die Haut abziehen, in die Pfanne zurücklegen und fertig garen. 800 g Zwiebeln feinhacken und in Olivenöl andünsten, nicht bräunen, die Paprikaschoten dazugeben. Auberginen vom Salz abspülen und in Öl 15-20 Minuten dünsten. Gleichzeitig auch die Zucchinis getrennt dünsten. Extra Tipp: die Zucchinis mit 3 EL Sherry ablöschen und eine grosse Orangenschale (ungespritzt) mitdünsten. Auberginen und Zucchinis zu den Zwiebeln und den Paprikaschoten geben. Aus dem Tomatenpüree die Kräuter entfernen, gut salzen und pfeffern und unter das Gemüse heben. Anmerkung: mehrere Töpfe sind notwendig. Und nur erstklassiges, frisches Gemüse empfiehlt sich für einen echt provenzalischen Geschmack! Entscheidend ist die hohe Qualität des Olivenöls! Alle Zutaten getrennt zubereiten; sonst entsteht ein banaler Eintopf! Dazu schmeckt Weissbrot und ein trockener Rotwein. Bon Appétit !
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