Was ist das bloß für ein Landstrich! Altersschiefe Kuhställe, spätgotische Kirchen und historische Burgruinen einträchtig nebeneinander; Taubenschläge so meisterhaft hochgemauert wie Schlossfassaden, Schwertlilien, die mit ihrem Wurzelwerk die Dachfirste reetgedeckter Bauernhäuser zusammenhalten; Rinder unter pinkfarbenen Apfelbäumen, Schafe auf salzigen Wiesen; Fachwerkdörfer wie Postkartenmotive unter geruchsintensiven Calvadosfahnen und Wochenmärkte, auf denen sich die Holztische unter dem Gewicht der Sahneeimer biegen. Eine der unumstößlichsten Lebensweisheiten der Normannen heißt: "Es gibt ein Leben vor dem Tod!"

Was die Normandie so einzigartig macht, sind die Kontraste, die Faszination ausstrahlen. Da sind Städte wie Rouen und Caen, die an jeder Altstadtecke Geschichten aus dem Mittelalter erzählen und mit prächtigen Kirchenbauten aus Romanik und Gotik aufwarten. Dort die malerischen Fischerdörfer und Hafenstädtchen, die mit Honfleur ihren Höhepunkt finden. Hier sitzen sie noch, die wettergebräunten Fischer mit ihren Baskenmützen, Netze flickend, auf Holzkisten voller Jakobsmuscheln, Meeresschnecken und Austern. Weltberühmt ist die Region jedoch durch den Klosterfelsen Mont-Saint-Michel, dessen Konturen einem Geisterschiff ähnlich aus dem Dunst des Wattenmeeres hervortreten. Ein Besuch des "Mont" ist Höhepunkt jeder Reise in die Normandie. Klicken Sie mit dem Mauszeiger auf einen Informationspunkt in der Karte und Sie erhalten Tipps und Wissenswertes vom Frankreich-Spezialisten.

Reisetipp: Naturwunder in prächtigen Farben

Seit eh und je spielt das Meer die Hauptrolle in der Normandie und im Leben der Normannen. Kein Wunder bei einem Land, das über 650 km Küste verfügt. Der wohl eindrucksvollste Küstenstreifen ist Etretat, das vor allem durch seine einmalige Lage berühmt ist. Die grandiose Landschaft mit den steilen Kalkklippen bietet zu jeder Jahreszeit ein unvergessliches Erlebnis und hat schon viele Schriftsteller und Maler wie z. B. Victor Hugo oder Claude Monet angezogen. Der Kieselstrand, an dem die Deichpromenade entlangführt, wird von den berühmten Kreideklippen Falaise d’Aval und Falaise d’Amont beherrscht. Die Eigenart dieser Klippen kann am besten auf zwei Spaziergängen erkundet werden. Zur Falaise d’Aval mit ihrer obeliskenförmigen Felsnadel, die durch Wasser ausgewaschen wurde, ist es eine Stunde Fußweg hin und zurück. Zur Falaise d’Amont sind es 45 Min. Ein Fußweg und eine in die Klippe gehauene Treppe führen zum Meer. Je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen ergibt sich auf den Wanderungen ein ständig wechselndes, zauberhaftes Farbenspiel.

Wissenswertes: Fermes-Auberges

Bei Reisen nach Frankreich trifft man oft auf sogenannte "fermes-auberges". Dahinter verbergen sich bewirtschaftete Bauernhöfe, auf denen die Möglichkeit besteht, zu Mittag oder zu Abend zu essen. Es wird eine regional- oder sogar lokaltypische Küche unter Verwendung von Zutaten aus dem Ertrag des Hofes angeboten. Diese Landgasthöfe bürgen für Qualität und sind zu ihrer Erhaltung unter einem Label zusammengeschlossen. In der Regel sind sie das ganze Jahr über geöffnet. Fermes Auberges finden sich in fast allen Regionen Frankreichs und sind eine ideale Möglichkeit, die typische regionale Küche kennenzulernen.

Essen & Trinken: Was lange währt wird endlich gut

Das weltbekannte flüssige Markenzeichen der Region ist der Calvados. Ausgangsprodukt dafür ist der Apfelmost Cidre, der mit ca. 5% Vol. und kühl getrunken bereits ein erfrischendes Getränk darstellt. Der Most für den Calvados bleibt etwa zwei Jahre lang auf seiner Hefe im Fass, ehe er in mehreren Schritten destilliert wird. Das farblose Destillat bekommt erst durch die Lagerung in Eichenfässern seine Bernsteinfarbe. Zwei Jahre alter Calvados trägt die Bezeichnung "vieux", nach drei Jahren "vieille réserve" und nach mindestens sechs Jahren "hors d’âge". Zum Aperitif wird in der Normandie gerne Pommeau, eine Likörmischung von Cidre mit Calvados (ca. 18% Vol.) serviert.

Rezept für Austern mit Cidre-Crème-fraîche

Der Cidre ist aus der Normandie nicht wegzudenken. Auch die Crème fraîche gehört einfach zur normannischen Küche und passt vorzüglich zu zahlreichen Speisen der Region, wie zum Beispiel auch zu Austern. Davon können Sie sich selbst überzeugen: Für 16 Austern 150 g Crème fraîche mit 3 EL Cidre und 1 EL Schnittlauchröllchen verrühren, salzen und pfeffern. Die Austern öffnen und aus der Schale lösen. Mit der Cidre-Schnittlauch-Crème anrichten und servieren.

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