Das Konstrukt dieser Region konnte nur von Bürokraten im fernen Paris geschaffen werden, denn zu groß ist die Vielfalt von Midi und Pyrenäen. Der Midi, das sind die beeindruckendsten Regionen des Zentralmassivs: die karstigen Hochplateaus im Aveyron, die malerischen Flusstäler von Lot und Dordogne, die reißende Schlucht des Tarn und die historische Gascogne, die Heimat des Musketiers d’Artagnan. Mit den Pyrenäen sind die echten Pyrenäen gemeint, das unerschlossene Grenzgebiet zu Spanien, das im 3.404 m hohen Pic d’Aneto gipfelt. Hier spricht man nicht von den östlichen Pyrenäen im einstigen Katalonien und nicht von den westlichen im Baskenland.

So vielfältig die Landschaft auch ist, in einem eint sie sich jedem Besucher: die landschaftlichen Höhepunkte liegen dutzendweise auf dem Reiseweg in Midi und Pyrenäen. Dazu malerische Dörfer und Städte, einzigartig in ihrer Lage: Rocamadour, das hängende Dorf und Pilgerort am Jakobusweg; Laguiole, die Stadt der berühmten Messer; Albi mit seiner Backsteinarchitektur, Heimat des großen Malers Toulouse-Lautrec; Gavarnie, das südliche Ende Frankreichs, umringt vom Cirque du Gavarnie, jenem kreisrunden Talschluss im Herz der Pyrenäen. Und dann die Hauptstadt der Region: Toulouse, am Ufer des Canal du Midi gelegen. Eine unbekannte Schönheit die darauf wartet entdeckt und erobert zu werden. Die somit wiederum Sinnbild für die ganze Region Midi-Pyrenäen ist. Klicken Sie mit dem Mauszeiger auf einen Informationspunkt in der Karte und Sie erhalten Tipps und Wissenswertes vom Frankreich-Spezialisten.

Reisetipp: Ein "Kollosseum" der Natur

"Berge in der Sonne" sagen die Spanier, "ein Hauch von Abenteuer" die Franzosen. Beide meinen dasselbe: die Pyrenäen – die Mauer, aber auch die Brücke zwischen ihren Ländern. Ein mächtiges, furioses Gebirge, vom Atlantik bis zum Mittelmeer, 3.400 Meter hoch. Kurz vor der spanischen Grenze erwartet einen bei Gavarnie ein Raumerlebnis, das in ähnlicher Art und Weise in der Natur nur äußerst selten vorkommt. Eine Gebirgslandschaft stellt alles in den Schatten: der "Cirque de Gavarnie". 1.500 Meter hohe Felswände in der Gestalt eines gigantischen natürlichen Amphitheaters, von der UNESCO 1967 zum Weltkulturerbe erklärt. Bei einem Besuch sollte man nicht darauf verzichten, in den Kessel hinein zu wandern und sich in dessen Mitte einen Moment Ruhe zu gönnen, in dem man die überwältigende Atmosphäre genießen kann.

Wissenswertes: Rugby

Das 1823 in der englischen Stadt Rugby entstandene Spiel kam ein paar Jahrzehnte später nach Frankreich. Es konnte sich aber nur im Süden durchsetzen und ist als regionale Sportart ein besonderes Markenzeichen der Region geworden. Vielleicht lässt sich dies mit der Mentalität der Menschen dieser Gegend erklären, denn Rugby ist immer gleichbedeutend mit Vergnügen und die "dritte Halbzeit" nach dem Spiel wird meist zu einem kleinen Fest. Die Südfranzosen mit ihrer Kontaktfreudigkeit und Einsatzbereitschaft lassen sich vom Rugby mitreißen und begeistern. Der körperliche Einsatz ist uneingeschränkt; oft kommt es zu heftigen Handgemengen und Wortgefechten – doch das gehört dazu und wird durch den Schiedsrichter im Rahmen gehalten. Wer Rugby noch nicht kennt sollte sich unbedingt mal ein Spiel ansehen; der Unterhaltungswert ist hoch.

Essen & Trinken: Der König der Käse

Eine Million Schafe bevölkern das südliche Zentralmassiv der Grandes Causses, lassen sich die aromatischen Kräuter einer hartnäckigen Flora schmecken, versorgen die Menschen von alters her mit Fleisch, Wolle und Milch. Ein flinker Hirte war es angeblich, der bereits zur Zeit der Gallier den besonderen Geschmack des Schimmelpilzkäses entdeckte. In Roquefort, dem gleichnamigen Dorf kann man noch heute die seit alters her überlieferte Herstellung erleben und die weitläufigen Felshöhlen besuchen, in denen der Roquefort, der König der Käse, in drei Monaten reift. Mehr als 20.000 Tonnen werden hier jährlich produziert!

Rezept: Cassoulet

In der Region Midi-Pyrenäen werden hauptsächlich Fleischeintöpfe zubereitet, die bei schwacher Hitze lange kochen, wie das Cassoulet. Für die Zubereitung müssen Sie Bohnenkerne über Nacht einweichen, dann in kaltes, ungesalzenes Wasser geben, aufkochen und abschäumen. Eine kleingeschnittene Karotte, eine gehackte Zwiebel und eine gehackte Knoblauchzehe in etwas Gänsefett andünsten, zusammen mit einem "Bouquet garni" (aus Petersilie-, Thymian-, Bohnenkraut- und Lorbeerzweig ) zu den Bohnen geben und 1/2 Stunde sanft köcheln lassen. Dann das Bouquet garni entfernen. Zwei eingelegte Gänsekeulen zusammen mit 600 g Lammrippenstück und 350 g frischer Toulouser Wurst (grober Schweinswurst) andünsten. Zu den Bohnen geben und mitkochen. Wenn die Bohnenkerne zu zerfallen beginnen, den Topf vom Feuer nehmen und alles in einen Tontopf schütten. Bei sanfter Hitze eine Stunde im Ofen garen. Abkühlen lassen. Nach einigen Stunden oder am folgenden Tag die feste Schicht, die sich auf der Oberfläche bildet, zerteilen, gut untermischen, etwas Wasser beifügen und langsam aufwärmen. Manche fügen dem Cassoulet etwas Tomatensauce bei, doch dies ist eigentlich nicht nötig.

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